Artikel vom 2024-04-08
April 8, 2024Eine Frage der Leidensfähigkeit
Juni 7, 2024„Hey Danny können Sie mal bitte ein Coaching mit Susi machen? Sie ist echt eine supergute Projektmanagerin, aber inzwischen läuft sie schon auf dem Zahnfleisch. Wir haben ihr schon gesagt, sie soll mal einen Gang runterschalten, aber sie gibt weiter Vollgas. Und nicht mehr lange, dann fährt sie vor Übermüdung und Überlastung abends gegen einen Baum. Wir sind echt besorgt. Vielleicht können Sie ja mal mit ihr reden?!“
Dies ist ein exemplarische Anfrage aus besorgten Personalabteilungen oder von fürsorglichen Führungskräften. Vielleicht kennt ihr das Prinzip, diejenigen, die eh schon viel machen und leisten ohne zu klagen, bekommen nochmal was oben auf den Stapel drauf.
Als ehemalige Führungskraft kenne ich das nur zur gut. Warum wollen Sie Sie mit dem störrischen Herrn Schubert auseinandersetzen, der schon mit den Augen rollt, wenn Sie Sie ihm näherst, wenn Frau Emsig mit Garantie den Auftrag ohne zu murren und mit garantierter Zuverlässigkeit sehr gut ausführt.
Da geht man als Führungskraft gerne mal den Weg des geringsten Widerstands. Wir kommen also nicht unserem fürsorglichen Führungsauftrag und der damit verbundenen gerechten Arbeitsverteilung nach, sondern gehen den Weg des geringsten Widerstands. Wer hier frei von Schuld ist, der werfe den ersten Stein.
Und Frau Emsig fühlt sich ja auch positiv bestärkt.
Sie freut sich, daß man ihr „das-auch-noch“ zutraut.
Sie ist ja stark.
Sie will gefallen.
Sie will Harmonie.
Herr Schubert mosert nicht.
Frau Emsig bekommt Bestätigung, Respekt und Anerkennung.
Und ich? … Ich konnte die Aufgabe erfolgreich delegieren und werde einen Projekterfolg für mein Team und damit für mich verbuchen können.
Na dann sind doch alle glücklich!
Zu dem Preis, dass Frau Emsig in einem halben Jahr im Burnout ist.
Was wäre richtig gewesen?
Als Führungskraft sollte ich meiner Pflicht zur Fürsorge und meinem Gerechtigkeits- und disziplinarischem Auftrag nachkommen.
Das heißt mich durchsetzen gegen Herrn Schubert.
Frau Emsig hätte „Nein!“ sagen müssen, natürlich charmanter formuliert, aber in der Botschaft klar. Denn es geht um gesunde Selbstführung und der damit verbunden gesunden Selbstabgrenzung.
Ich weiß, das fällt schwer im Coaching in Rollenspielen merke ich das immer wieder, dass dies Einigen selbst in gespielten Situationen schwer fällt.
Falls Sie Sie in der gleichen Falle befindest wie Frau Emsig, hier ein paar Tipps:
– Übe Sie darin, selbstbewusst „Nein“ zu sagen, ohne Sie zu entschuldigen
– Begründe Ihre Absage, wenn nötig, aber erfinde keine Notlügen
– Signalisiere Wertschätzung, indem Sie das Anliegen anerkennst, bevor Sie es ablehnst.
