Coaching im Spitzensport – oder wie Sie das nächste Level erklimmen
Juli 23, 2024Resilienz-eine Frage der Persönlichkeit?
September 3, 2024So, nachdem der Paperwings Podcast über den Sommer weiterhin jeden Freitag pünktlich erschienen ist, habe ich dem Paperwings Briefing -und damit mir- eine einmonatige Sommerpause gegönnt, da mich das Schreiben doch fast immer wieder ein ganzes Wochenende kostet.
Diese Zeit habe ich genutzt um mich ein wenig zu erholen und um mich mit guter Management- und Coachinglektüre ein bisschen aufzuschlauen. Momentan beschäftigen mich in meinem Arbeitsalltag wieder zunehmend die Themen: „Resilienz“ sowie „Belastungs- und Stressmanagement“ in Seminaren, Workshops und in den 1:1 Coachings. In meiner Wahrnehmung und gemessen an den Zahlen der Krankenkassen sind Depression und Burnout weiter auf dem Vormarsch. Denn wir sind nun schon im Dauerkrisenmodus bzw. Polykrisenmodus.
Doch was ist das überhaupt eine Polykrise?
Das Phänomen der Polykrise
Eine Polykrise beschreibt eine Situation, in der mehrere miteinander verbundene Krisen gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig verstärken. Diese Krisen sind komplex und vielschichtig, was es schwierig macht, sie zu bewältigen oder zu lösen. Im Gegensatz zu einzelnen Krisen, die oft klar definierte Ursachen und Lösungen haben, sind Polykrisen durch überlappende und voneinander abhängige Probleme gekennzeichnet, die eine anhaltende Instabilität verursachen können.
Die Deutschen sind besorgt.
Diese Sorgen schwingen neben den alltäglichen Herausforderungen mit und belasten die Menschen.
Deutschland steht derzeit vor einer Polykrise, die durch das gleichzeitige Auftreten und die gegenseitige Verstärkung mehrerer Krisen gekennzeichnet ist. Diese Krisen umfassen wirtschaftliche, soziale, geopolitische und ökologische Herausforderungen, die das Land in vielerlei Hinsicht beeinflussen.
Wirtschaftliche und geopolitische Herausforderungen
Deutschland sieht sich mit einer Reihe von wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen konfrontiert. Der Krieg in der Ukraine hat zu einem sprunghaften Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise geführt, was eine hohe Inflation und wirtschaftliche Stagnation nach sich zieht. Diese wirtschaftlichen Spannungen werden durch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und die Unterbrechung globaler Lieferketten weiter verschärft.
Soziale und politische Herausforderungen
Auf sozialer und politischer Ebene führen diese Krisen zu einem Vertrauensverlust in staatliche Institutionen und einem Erstarken populistischer Bewegungen, die einfache Lösungen für komplexe Probleme versprechen. Die gesellschaftliche Fragmentierung hat zugenommen, da viele Menschen sich zunehmend unsicher und von der Politik im Stich gelassen fühlen.
Ökologische Herausforderungen
Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Polykrise ist der Klimawandel, der sich zunehmend verschärft und sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft hat. Diese ökologische Krise verstärkt die Dringlichkeit, nachhaltige Lösungen zu finden und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Den Kopf in den Sand zu stecken oder zu resignieren bringt uns jedoch nicht weiter. Wir brauchen resiliente Individuen, resiliente Teams und resiliente Organisationen.
Ist jetzt Schluss mit lustig?!
Passend dazu lese ich unter anderem gerade das Buch von Vera Starker, Katharina Roos und Sebastian Holtkemper „Schluss mit lustig? Über das Ende der neuen Arbeit und warum das der falsche Weg ist“. Die sich u.a. auch mit dem Thema der resilienten Organisation beschäftigen.
Denn was wir erleben, ist die Dauerhaftigkeit der Polykrise, die auch an deutschen Unternehmen spürbar wird. Die Unruhe im Markt spiegelt sich natürlich auch bei den Mitarbeitenden in den Teams wieder.
Einen sicheren Arbeitsplatz in vormalig sicheren Branchen, wie bspw. der Chemie- oder Autoindustrie gibt es in dem volatilen und unsicheren Marktgeschehen kaum noch. Zudem sind wir global mit Krisen, Kriegen und damit einhergehenden Flüchtlingsströmen konfrontiert. Ein Ende ist nicht absehbar. Das spürt ein jeder und die schlägt sich auch auf die individuelle Resilienz und damit in unmittelbarer Wechselwirkung auf die Teams bei der Arbeit nieder.
Dazu finden wir folgende Studienlage:
„Die allgemeine Krisenstimmung ist laut 49 % der Befragten in den Unternehmen und im Arbeitsalltag der Menschen angekommen, sogar dann, wenn das eigene Unternehmen gar nicht von einer Krise betroffen ist. Führungskräfte nehmen die Krisenstimmung insgesamt stärker wahr als die Mitarbeitenden.“ (https://nextworkinnovation.com/studie-zuversicht-unternehmen-krise/)
Führungskräfte sind die Knotenpunkte zwischen sich als Individuum, den Teams und der Organisation. Sie brauchen von daher wieder FührungsKRAFT.
Welche besonders gut durch Reslienztrainings und -coachings wiederaufgebaut werden kann.
„Führungskräfte brauchen FührungsKRAFT.“ Danny Herzog-Braune
Neben der Stärkung der individuellen Resilienz gilt es aber auch, die Teams zur Resilienz zu befähigen, um langfristig wertschöpfend und gesund in den Organisationen wirken zu können. Kann man da was tun als Führungskraft? Natürlich.
Eine Frage der psychologischen Sicherheit
Psychologische Sicherheit spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Psychologische Sicherheit bezeichnet eine Arbeitsatmosphäre, in der Teammitglieder keine Angst haben müssen, für das Äußern von Ideen, Fragen, Bedenken oder Fehlern bestraft oder gedemütigt zu werden. Der Begriff wurde von der Harvard-Professorin Amy Edmondson geprägt und beschreibt eine Umgebung, in der Menschen sich sicher fühlen, zwischenmenschliche Risiken einzugehen, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.
In Teams, die psychologische Sicherheit bieten, fühlen sich die Mitglieder akzeptiert und respektiert, was zu einer besseren Arbeitsatmosphäre führt. Dies ermöglicht es den Teammitgliedern, offen zu kommunizieren, Wissen zu teilen, aus Fehlern zu lernen und innovative Lösungen zu entwickeln. Psychologische Sicherheit ist somit ein entscheidender Faktor für den Erfolg von Teams und Organisationen, da sie die Zusammenarbeit und das Engagement der Teammitglieder fördert.
Um psychologische Sicherheit zu schaffen, ist es wichtig, dass Führungskräfte eine Kultur der Offenheit und des Vertrauens fördern. Dies kann durch ehrliche Kommunikation, regelmäßiges Feedback und die Ermutigung zur offenen Diskussion von Ideen und Bedenken erreicht werden. (Zu empfehlen sei dazu auch das Buch von Brigitte Hettenkofer: „Teamresilienz – Das Geheimnis robuster, optimistischer und lösungsorientierter Team“ von dem BusinessVillage – Verlag für die Wirtschaft )
Psychologische Sicherheit und Resilienz
Psychologische Sicherheit steht somit im unmittelbaren Zusammenhang mit der individuellen und der Team Resilienz, weshalb ich hier auf einige Aspekte vorstellen möchte:
1. Förderung von Resilienz: Psychologische Sicherheit schafft ein Umfeld, in dem Teammitglieder sich sicher fühlen, Risiken einzugehen und Fehler zu machen, ohne Angst vor negativen Konsequenzen zu haben. Dies fördert die individuelle Resilienz, da Mitarbeiter ermutigt werden, aus Fehlern zu lernen und sich an neue Herausforderungen anzupassen.
2. Unterstützung der Team-Resilienz: Teams, die in einem psychologisch sicheren Umfeld arbeiten, zeigen eine höhere kollektive Resilienz. Sie sind besser in der Lage, mit Stress und Unsicherheiten umzugehen, da sie offen kommunizieren und sich gegenseitig unterstützen können. Dies stärkt die Fähigkeit des Teams, sich von Rückschlägen zu erholen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
3. Innovation und Anpassungsfähigkeit: Psychologische Sicherheit ermöglicht es Teams, kreativer und innovativer zu sein, da sie neue Ideen und Ansätze ohne Angst vor Kritik ausprobieren können. Diese Innovationsfähigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil der Resilienz, da sie Teams hilft, sich an sich ändernde Umstände anzupassen und wettbewerbsfähig zu bleiben.
4. Kulturelle Dimensionen: Psychologische Sicherheit unterstützt kulturelle Dimensionen wie Integrität, Innovation und Inklusion, die für die Resilienz von Organisationen entscheidend sind. Diese Dimensionen tragen dazu bei, dass Teams in einem dynamischen und unterstützenden Umfeld arbeiten, was ihre Fähigkeit stärkt, Herausforderungen gemeinsam zu meistern.
Insgesamt ist psychologische Sicherheit ein grundlegender Faktor, der sowohl die individuelle als auch die Team-Resilienz stärkt, indem er ein unterstützendes und offenes Arbeitsumfeld schafft.
Ein resilientes Team verfügt über die Fähigkeit, sich proaktiv an veränderte Umstände anzupassen und flexibel zu bleiben, um seine Ziele zu erreichen. So können mit einem Team, das sowohl belastbar als auch anpassungsfähig ist, Herausforderungen gemeistert und Ziele erreicht werden.
Was kennzeichnet resliente Teams?
Resiliente Teams zeichnen sich durch mehrere wesentliche Merkmale aus, die ihnen helfen, Herausforderungen und Krisen erfolgreich zu bewältigen:
1. Gemeinsame Werte und Vision: Eine klare Wertebasis und eine begeisternde Vision sind entscheidend. Diese Werte wirken als „emotionaler Klebstoff“ und fördern die Identifikation der Teammitglieder mit dem Team. Sie wissen wofür sie arbeiten. Es vereint und verbindet sie.
2. Psychologische Sicherheit: Ein Umfeld, in dem Teammitglieder sich sicher fühlen, ihre Meinungen zu äußern, Fehler zu machen und daraus zu lernen, ist grundlegend für die Resilienz eines Teams. Wer Angst hat Fehler zu machen, macht lieber nichts. So entsteht weder Fortschritt noch Innovation.
3. Lösungsorientierung: Resiliente Teams konzentrieren sich auf Handlungsoptionen und Lösungen, anstatt sich von Problemen überwältigen zu lassen. Sie richten ihren Fokus nach vorne und arbeiten aktiv an der Bewältigung von Herausforderungen.
4. Konstruktiver Umgang mit Rückschlägen: Fehler und Rückschläge werden als Lernmöglichkeiten betrachtet. Resiliente Teams nutzen diese Erfahrungen zur Weiterentwicklung. Es geht um die Lösungsorientierung und nicht um Problemfokussierung.
5. Starke Führung: Führungskräfte spielen eine entscheidende Rolle, indem sie die Resilienzfaktoren vorleben und fördern. Sie unterstützen das Team durch positives Feedback und eine optimistische Haltung. Führung braucht FührungsKRAFT. Doch wer sich selbst nicht gesund führen kann, kann auch keine anderen gesund führen. Es geht um Vorbildfunktion.
6. Effektive Kommunikation: Offene und bewusste Kommunikation ist entscheidend. Teams, die gut kommunizieren, können Missverständnisse klären und Konflikte konstruktiv lösen. Wer schmollt, eskaliert oder destruktiv agiert schädigt die Produktivität. Von daher darf eine wirksame, wertschätzende und klare Kommunikation geübt werden.
7. Gemeinsame Identität und Ziele: Eine klare gemeinsame Identität und ein einheitliches Verständnis der Ziele stärken den Zusammenhalt und die Effektivität des Teams. Die Teamziele sollten klar sein. Das Team soll in die gleiche Zielrichtung arbeiten.
8. Empathie und Respekt: Gegenseitiger Respekt und Empathie fördern positive Emotionen und eine unterstützende Teamdynamik. Nur in einer positiven Arbeitsatmosphäre kann Produktivität gedeihen.
9. Teamwirksamkeit und Selbstwirksamkeit: Teams glauben an ihre kollektive Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern. Diese Haltung wird durch das Erleben vergangener Erfolge gestärkt. Resilienz kann trainiert werden. Dies ist ein dynamischer Prozess durch Höhen und Tiefen.
Diese 9 Merkmale ermöglichen es Teams, auch in stressigen und unsicheren Zeiten handlungsfähig zu bleiben und gestärkt aus Krisen hervorzugehen. Ich hoffe dieser Beitrag hilft Ihnen resiliente Teams aufzubauen.
Wenn Sie und Ihr Team Unterstützung auf diesem Weg brauche können, dann lass es mich gerne wissen.
Ihr Danny
Managementberater und Personal & Business Coach
Quellen:
https://www.hrtoday.ch/de/article/was-wir-vom-sportsegeln-ueber-team-resilienz-lernen-koennen
https://www.teamresilienz.de/informationen-und-tipps/das-teamresilienz-modell/
https://persolog.com/de/blog/was-resiliente-teams-auszeichnet/
https://juttaheller.de/resilienz-foerdern/resilienz-abc/definition-team-resilienz/
https://autenticon.com/connected-team/
https://www.magazintraining.com/resilienz-in-teams-und-organisationen/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC7393970/
https://www.adaptivlearning.com/blog/team-performance-psychological-safety-and-resilience
https://hbr.org/2022/08/resilient-organizations-make-psychological-safety-a-strategic-priority
https://www.likeminded.care/en/resources/psychological-safety
https://www.linkedin.com/pulse/unlocking-psychological-safety-create-resilient-innovative-brknc
https://www.jedes-team-ist-anders.de/blog/psychologische-sicherheit-4-schritte-fur-vertrauen-im-team
https://www.hogrefe-consulting.com/de/thema/psychologische-sicherheit-im-unternehmen
https://kunveno.de/blog/leitfaden-psychologische-sicherheit
https://psychsafety.co.uk/about-psychological-safety/
https://en.wikipedia.org/wiki/Psychological_safety
https://www.brainbirds.com/de/glossar/psychologische-sicherheit
