New Work und Resilienz – Kompass für menschenorientierte Arbeit in der Dauerkrise
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Military Leadership – Wie militärische Führungsprozesse uns helfen, Krisen zu meistern
Ein Erfahrungsbericht für Führungskräfte aus Wirtschaft und Verwaltung
1. Einführung: Warum Military Leadership mehr ist als Kasernenhof
Krisen können alles verändern – Pläne, Prioritäten, Perspektiven. In solchen Momenten zeigt sich, ob Führung wirklich funktioniert. Als Offizier, Führungskraft in der zivilen Welt und Personal & Business Coach habe ich in verschiedenen Extremsituationen erlebt, dass die militärische Führungslehre etwas bietet, das in der Wirtschaft oft fehlt: Klarheit im Chaos, Entscheidungsstärke unter Druck, und die Kunst, Vertrauen in unsicheren Lagen zu bewahren.
Was, wenn wir genau diese Prinzipien nutzen könnten, um Organisationen krisenfester, resilienter und entscheidungsfähiger zu machen?
Dies durfte ich zusammen mit Oberstleutnant Thomas Tetzlaff vom Zentrum Innere Führung in einem Seminarprobedurchlauf im Auftrag von Brigadegeneral a.D. und Vorstandsvorsitzendem Boris Nannt mit Führungskräften an der ADG – Akademie Deutscher Genossenschaften e.V. beispielhaft in einer Rollenspielsimulation üben.
Führungsprozess als Rollenspiel mit LEGO® SERIOUS PLAY®
Für die Akademie der Genossenschaften habe ich zusammen mit Oberstleutnant Thomas Tetzlaff ein besonderes Trainingsformat entwickelt: ein rundenbasiertes Rollenspiel-Szenario im Gefechtsrahmen, bei dem der Führungsprozess mit Klemmbausteinen nachgebildet wird. In kleinen Teams setzen die Teilnehmenden taktische Szenarien um, entwickeln Lösungen in Echtzeit und durchlaufen den gesamten Führungsprozess – von der Lagefeststellung über die Entscheidungsfindung bis hin zur Befehlsgebung.
Durch die haptische und visuelle Simulation wird Führung erfahrbar. Teams lernen unter Zeitdruck zu planen, sich abzustimmen und Verantwortung zu übernehmen.
2. Kernkonzepte: Die DNA militärischer Führung
Militärische Führung ist kein martialisches Herumbefehlen, sondern ein hochentwickeltes System der Entscheidungsfindung, Kommunikation und Verantwortung.
Führen mit Auftrag
Im Gegensatz zur Befehlsausführung im Detail betont das „Führen mit Auftrag“ (Mission Command) die Zielorientierung, Eigenverantwortung und Flexibilität. Führungskräfte geben ein Ziel vor – und vertrauen ihren Teams bei der Umsetzung.
„Vor dem Wagen kommt das Wägen“ – Entscheidungen werden vorbereitet, nicht verordnet.
Der Deutsche Führungsprozess (FüProz)
Ein klar strukturierter, iterativer Ablauf:
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Lagefeststellung
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Entscheidungsfindung
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Planung
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Befehlsgebung
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Kontrolle & Anpassung
Diese Struktur schafft Orientierung auch unter Zeitdruck, ermöglicht dezentrales Handeln und verkürzt Reaktionszeiten.
Führungsfähigkeit (FüFä) sichern
Führung ist nur möglich, wenn Informationen fließen, Systeme funktionieren und Vertrauen erhalten bleibt.
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Kommunikation (auch bei Ausfall)
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Entscheidungsfähigkeit (z.B. mit Alternativplänen)
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Führungskultur (klare Rollen, Redundanzen, Verantwortlichkeiten)
Die Phasen des Führungsprozesses der Landstreitkräfte
Der Führungsprozess der Landstreitkräfte ist ein zyklisches, strukturiertes Verfahren, das darauf abzielt, in komplexen und dynamischen Einsatzumgebungen unter Zeitdruck geeignete Entscheidungen vorzubereiten und umzusetzen.
1. Lagefeststellung und Kontrolle
Ziel: Ständiges Erfassen, Bewerten, Ordnen, Verknüpfen und Auswerten aller relevanten Informationen.
Kontrolle: Überprüfung, ob frühere Entscheidungen und Maßnahmen die gewünschte Wirkung erzielen.
Ergebnis: Ein aktuelles Lagebild als Basis für alle weiteren Schritte.
2. Entscheidungsfindung
Kernstück des Prozesses: Systematische Vorbereitung der Entscheidung durch strukturierte Denk- und Handlungsabläufe.
Ablauf: Auswertung des Auftrags, Beurteilung der Lage, Entwicklung und Bewertung von Handlungsoptionen, Abwägen und Auswahl der erfolgversprechendsten Möglichkeit.
3. Planung
Ziel: Entwicklung eines Operationsplans, der das räumliche und zeitliche Zusammenwirken aller Kräfte und Mittel auf das Operationsziel koordiniert.
Inhalt: Aufträge an unterstellte Einheiten, Koordinierungsmaßnahmen, Zeitplan, Logistik- und Kommunikationsplanung.
4. Befehlsgebung
Ziel: Klare, verständliche und vollständige Übermittlung des Entschlusses und der daraus abgeleiteten Aufträge.
Formen: Mündlich, schriftlich oder als Grafikbefehl. In der Regel als Operationsbefehl mit standardisiertem Aufbau.
5. Kontrolle (fortlaufend)
Ziel: Sicherstellen, dass die Durchführung dem Plan entspricht – und Anpassen bei veränderter Lage.
Merkmale: Kontrolle ist kein einmaliger Schritt, sondern ein durchgängiges Prinzip im gesamten Prozess.
3. Übertragung: Was die Wirtschaft vom Militär lernen kann
Viele der genannten Konzepte sind direkt übertragbar – sofern man bereit ist, sie als Führungsinstrumente und nicht als Befehlskultur zu verstehen.
Lagefeststellung für Unternehmen: Wo steht mein Team, was passiert am Markt, welche Informationen fehlen? In einer Data-Driven-Welt haben viele Führungskräfte mehr Daten als Lagebilder.
Entscheidungsfindung trainieren: Entscheidungsfähigkeit ist keine Persönlichkeitseigenschaft – sie ist ein Muskel, der durch Struktur und Übung stärker wird.
Führen mit Auftrag in Unternehmen: Es braucht eine klare Zieldefinition, Vertrauen in die Umsetzungsverantwortung und den Verzicht auf Mikromanagement. Genau das macht Führen mit Auftrag so wirksam – und für viele Führungskräfte so herausfordernd.
4. LEGO® SERIOUS PLAY® als Simulation für Krisenführung
Im beschriebenen Workshop-Format werden die Phasen des Führungsprozesses spielerisch durchlaufen – mit physischen Modellen, unter Zeitdruck und mit realen Entscheidungskonsequenzen. Die LEGO®-Modelle dienen als Repräsentation komplexer Situationen und ermöglichen eine Form der Kommunikation, die über rein verbale Diskussion hinausgeht.
Teilnehmende berichten häufig, dass sie durch diese Methode ihre eigenen Führungsmuster erkennen – und gezielt hinterfragen können.
5. Lessons Learned – Was ich mitgenommen habe
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Klarheit schlägt Perfektion: In Krisen zählt der 70-%-Entschluss mehr als der 100-%-Plan, der zu spät kommt.
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Führung beginnt bei der Lagebewertung, nicht beim Handeln.
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Vertrauen ist kein Luxus, sondern operative Voraussetzung für dezentrale Entscheidungsfähigkeit.
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Resiliente Führung bedeutet: Planbar bleiben, anpassungsfähig sein und das Team nicht allein lassen.
6. Ausblick
Military Leadership ist kein Programm für Einzelkämpfer. Es ist ein Denk- und Handlungsrahmen für Führungskräfte, die bereit sind, sich selbst zu führen, bevor sie andere führen – und die wissen, dass Krisen nicht die Ausnahme sind, sondern Teil der Führungsrealität.
In unseren Seminaren und Trainings verbinden wir militärische Führungslehre mit systemischem Coaching und modernen Führungsmodellen. Der Führungsprozess dient dabei als Ankerpunkt für eine Führung, die klar, entschlossen und menschlich zugleich ist.
Wenn du darüber nachdenkst, wie du dein Unternehmen auf Krisensituationen vorbereiten kannst, oder wenn du ein Führungsteam hast, das von einem solchen Training profitieren könnte – melde dich gerne bei mir.
Danny Herzog-Braune, MBA | Hauptmann d. R. | Personal & Business Coach | Paperwings Consulting GmbH
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